Gedichte verschiedener Autoren

 

 

Jahrelang ging ich achtlos vorüber,

doch nun mach ich die Augen auf -

durchstreife staunend den Garten der Lyrik,

kommt mit, es lohnt sich - verlasst euch drauf!
(*Auszug: Im Garten der Lyrik - Anita Menger 2008)

 

 In diesem Sinne heiße ich meine Gäste

im "Garten der Lyrik" willkommen.

Lasst euch so wie ich von der

Artenvielfalt  und Farbenpracht

in diesem Garten bezaubern ...


Bitte beachten:
Das Copyright der Texte liegt bei den jeweiligen Autoren!

 

 

Autorenliste von A-Z
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Ein paar Worte zu dieser Rubrik
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Gedichte von A-Z
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Adergold
 
Es fiel ein Blatt mir ins Gebet,
septemberraubereift,
wie Adergold, das herbstumweht
Erinnerungen streift.
 
Ich sog die Silben wie ein Dieb
aus seiner Endlichkeit.
Mir war, als hauchte es: ´Vergib,
es ist zum Abschied Zeit.´
 

 

das sammeln
© Uschi Pohl

so laß mich trinken
an dem Bache
wenn Durst mich plagt
auf meinem Weg
und laß mich rasten
an dem Ufer
wenn mein Schritt müd´
mein Sinn mir träg´
möchte dein Plätschern
still genießen
nur lauschen dir
mehr brauch´ ich nicht
um mich zu sammeln
für die Strecke
die das Leben
noch auftischt

 

 

Es kriecht der Abend uns ins Haus
© Traudel Zölffel

Es kriecht der Abend uns in Haus
lass aus das Licht, ich mag die Dämmerstunde
wenn Formen sich in Schemen wiederfinden
Weichzeichner zieht in sanfter Art die Runde

Ich lieb, wenn Grün ins Fenster fällt
das Draußen mit dem Drinnen sich vereint
es schleift sich ab, was als Kanten scharf
als Linien in Gesichtern uns erscheint

Die Regentropfen klopfen leise an
geben dem Fenster feine Perlenketten
ich zieh mit meinem Finger dort entlang
als könnte ich den Zauber damit retten

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Die Februar-Rose
© Insulaire

Die erste Rose dieses Jahr
 schenkt ihren Duft, kaum wahrnehmbar,
entfaltet sich und zeigt bereit
ihr allerschönstes Sommerkleid.
 
Vom Frühling angestoßen sacht,
der flüsternd Kapriolen macht,
durch sehnsuchtsvollen Traum verwirrt
hat sie sich in der Zeit geirrt.
 
 
 
Wenn Engel weinen
© Brigitte Haase
 
Tränen,die die Engel weinen,
ist Regen, der zur Erde fällt.
Selbst die Sonne kann nicht scheinen,
grau ist auch das Himmelszelt.
 
Sie beklagen unser Leben,
können es doch nicht versteh'n.
Warum muß es Kriege geben?
diese Welt ist doch so schön.
 
Doch im Kampf, um Macht und Geld,
sieht die Menschheit dieses nicht.
Kinder hungern in der Welt,
manches gute Herz zerbricht.
 
Kommt, wir reichen uns die Hände,
lasst die Sonne wieder scheinen.
Machen wir dem Krieg ein Ende,
dann muß auch kein Engel weinen. 
 

Freiheit
© Manuela Ina Kirchberger

Gefühle mögen
zerbrechlich sein,

wie manche Gedanken
im Wind
sich neue Wege
suchen,

doch Liebe
wirkt über all das
weit hinaus

und letztendlich
liegt es an uns,

wie wir uns selbst
und die Welt dadurch
erfahren mögen.
 



 

 

 
Refugium
© Ingrid Herta Drewing

So viele Worte
gewechselt,
gesagt, gehört;
immer den wachen Blick,
das geneigte Ohr,
das freundliche Lächeln
bemühend.

Nun
die Frohsinnsmaske
an der Garderobe
abgelegt,
wo das Spiegelgesicht,
müde und grau
dir kurz begegnet
mit kritischem Blick.

Dann
nach erfrischender
Waschung
betrittst du
dein einsames
Rückzugsgebiet
und
erwachst
in der Stille.



Höhlen sind finster und kalt
- Mein Höhlengleichnis

von Heinz Gropp

es gab eine Zeit
wo ich die Schatten an der Wand
zu deuten suchte

es gab eine Zeit
wo es mir wichtig war
was die Leute über mich redeten

es gab eine Zeit
wo mir weltlicher Erfolg und Karriere
noch wichtig waren

aber dann sah ich die Sonne
und ich wusste
dass es ausserhalb dieser Welt
noch ein anderes Leben gibt

 


Innehalten
Silke Kuba

Wenn dich der Tag mit seinen Stunden plagt,
die finstren Sorgen unerträglich sind,
wenn ein Termin den andern hetzt und jagt,
setz dich zu mir und halte ein, mein Kind.

Ich werde dir mit meinem Blätterdach
ein wenig Schatten spenden, ohne Preis.
Zieh deine Schuhe aus am kühlen Bach,
sei wieder Freund in unserm alten Kreis.

Und lausch mit uns dem herrlichen Gesang
der Lerche, die das Blau des Himmels küsst.
Vergiss die Zeit ein paar Minuten lang -
erkenne, wo du Mensch auf Erden bist.

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so lang solange
© Inge Wrobel 2011
 
solange ich nicht
das wort liebe
zulasse
 
so lang
findet der schmerz
keinen namen
 
so lange
werde ich weinen
ohne zu wissen
warum
 
 
Traumtau
© Petra Friedel
 
Manchmal
am Abend
tropft Regen vom Gestern
in meine Träume
 
glänzt
wie Morgentau auf
dem Kissen
 
schleicht sich
in meinen Tag...
 

 

Jenseits der Menschen
von Serge D.


Vielleicht wird es doch einst gelingen.
Vielleicht erst wenn keiner mehr spricht,
wenn Babylons Turmbau zerbricht,
nur Schwalben ins Schwarz sich noch schwingen.

Vielleicht schläft es doch in den Dingen,
das Lied - nur: wir hören es nicht.
Und einst greift ein Baum hoch ins Licht,
die Sonne uns wiederzubringen.

Doch angesichts dessen, wie blind
und fühllos wir heute schon sind,
durch nichts zur Vernunft mehr zu zwingen …

Wir haben das Menschsein verlernt.
Nur jenseits von uns, weit entfernt,
sind Lieder vielleicht noch zu singen.

*In Anlehnung an das Gedicht "Fadensonnen"
von Paul Celan

 

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„Nächtens“
von Ute Kirchhof

Nächtens lag ich manche Stunde
Schon in Morgendämmrung wach,
dachte bis zum Herzensgrunde
über Tod und Leben nach.

Dacht: Welche Kraft und welche Macht,
wirkt im Innersten des Seins?
Wer hat sich „Schicksal“ ausgedacht,
und wer bestimmt gar meins?

Wer hält das ewge Kommen, Gehen,
aller Welten in der Hand?
Und – kann ein Mensch das jemals sehen?
Gedanken rauben den Verstand…

Mein Herz weiß längst, es wird ihn geben,
den, der die ganze Welt umspannt,
bis in die Wurzeln wird er streben,
bis tief in meiner Seele Land.

Es existierte auf der Welt,
nichts – ohne Gottes Wille,
der alles fest zusammenhält,
ich spür’ ihn in der Stille.

Der Morgen kommt, die Sonne scheint,
auf tausend kleine Dinge,
ich merk’, dass meine Seele weint,
dass „Liebe“ mir gelinge.

Nur sie allein reicht tief hinab,
bis ins Atom, in jeden Kern,
und wander ich dereinst ins Grab,
ich weiß, der Herrgott hat mich gern.
 

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Immerschlüssel
Mara Krovecs
 
Ach ich bin solcher Wege oft gegangen
ins Bunt ins Weit ins namenlose Schöne
und hab gehofft dass ich mich so versöhne
mit Traurigkeiten die in mir gefangen
 
auch führte mich manch Straße in die Tiefe
aus der ich glaubte niemals zu entkommen
und noch von Schmerz und Täuschungen benommen
entzog ich mich und tat als ob ich schliefe
 
die Sonne stieg die Blumen blühten wilder
Gespinnste rahmten manches Sommerbeet
mein Herz pulsierte oft:“ es ist schon spät“
 
erst mit den Jahren - die Gedanken milder
hab ich geahnt das Glück ist jetzt und hier
den Schlüssel trug ich immer schon in mir.
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Kemenate
© Christiane Mielck
 
Träume verstauben
in strukturierten Realitätsregalen
neben in Buchseiten gepreßten Illusionsblüten
in einer tristen Kemenate
der Gedankenvergangenheit,
 die zu öffnen
 der Verstand verbietet
 und die Seele sehnt.
 
 
 
Andersrum
© Helga Kurowski
 
Im Land mit Namen Andersrum
sind die Gescheiten völlig dumm.
Schon früh am Morgen ist es spät,
wenn Mist auf seinem Gockel kräht.
 
Was bei uns weit ist, ist dort nah,
was nicht vorhanden, einfach da.
Die Unifarben schimmern scheckig,
selbst Rundes zeigt sich spitz und eckig.
 
Bei Regen lacht die liebe Sonne,
ganz federleicht wiegt eine Tonne.
Die Nacht ist wie der Tag so blass
und Trockenheit tropft triefend nass.
 
Im großen Lande Andersrum,
malt man gerade Linien krumm.
Das Falsche ist dort stets goldrichtig,
sogar der Faulste glänzt als tüchtig.
 
Und ist ein Mensch wie Stroh so dumm,
zieht er in dieses Land gern um,
dort gilt er als perfekt und klug,
denn Lüge ist da kein Betrug.
 
Nur freuen darf er sich dort nicht,
sonst kommt das Leid im Schwergewicht,
dies sei zur Vorsicht gleich gelehrt,
denn dort ist alles umgekehrt!
 
 
 

Die alte Bank im Park
von Helga Bauer

Die Bank im Park steht lang schon hier
und sie erzählt, sitzt du auf ihr,
mit stark verwittert Planken
von Kraft der Menschen, ihrem Schwanken.

Ich bin bei ihr seit Tagen.

Die Finger streichen übers Holz
dem Freud einst nah, auch Weh und Stolz
und die Lasur der Farbe,
sie hat so manche tiefe Narbe.

Ich hab so viele Fragen.

Der Wind, in Sanftmut warm mich streift,
ist stark im Duft, in Dolden reift
er, lilaschwer im Flieder.
Holunderschnee, er fällt hernieder.

Ich seh’s und kann nichts sagen.

Ein Hauch, er weht in dem Moment,
als weißes Sehnen in mir brennt,
den Schnee mir sommerweit
in meines Lebens Winterzeit.

Ich lass mich heimwärts tragen …
 
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Notunterkunft

Regen prasselt an die Fensterscheibe,
graue Straße glänzt fast menschenleer.
Junger Hund sucht neue Bleibe,
vor dem Bahnhof helles Lichtermeer.

Einsamkeit dringt ihm entgegen,
Bild im Spiegel starrt ihn an.
Abendstunden sind kein Segen,
müde Augen, alter Mann.

Wieder im Asyl gestrandet,
während Nächtens Sterne blühen,
friert sein Herz in Eis getaucht.

Stille die ihn wirr umbrandet,
weh nun die Gedanken glühen
und kein Mensch, der ihn noch braucht!
 

 
Elfengold
 Jürgen Feger
 
Ganz tief im Walde, in den Sümpfen,
wo’s weder Pfad noch Wege hat,
gab es mal eine kleine Insel
und auf der Insel eine Stadt.
 
Es hieß, dort lebten einst die Elfen
in roter, grüner, blauer Pracht,
die tags auf den Gewässern tollten
und prunkvoll glänzten in der Nacht.
 
Es hieß zudem, laut dieser Sage,
dass jene bunte Elfenschar
froh tanzte, wenn das Gold der Sümpfe
emporstieg, und es Sommer war.
 
Seither glaubt man, an Fluss und Auen,
wo immer auch Libellen sind,
Teichrosen blühen, weht noch immer
darüber leis’ der Mythe Wind.
 
 
 
 
 

 
Resignation

Ich wollte immer nur
ich selbst sein,
wenn ich mich abschnitt
vom großen Heer
der Bindfaden-Menschen.
Aber stets
holten Puppenspieler
mich zurück
und verknoteten
Fäden aufs Neue.
So spiele ich
meine Rolle weiter
im Welttheater,
während die
Katerstimmung
des unguten Gefühls,
daß im Grunde
alles beim Alten bleibt,
den erneuten Griff
zur Schere verhindert.

 


Regen

©Andrea Frühauf

Wolken dräuen, finden sich im Reigen,
Tief verschleiert steht der junge Wald.
Neues Blattwerk hängt in staub‘gem Schweigen,
Stille liegt der Teich. Es regnet bald.

Wind kommt auf, er zaust den alten Reiher,
Der sich vor dem Welse schlafend stellt,
Zaghaft kräuselt sich der kleine Weiher,
Und ein würzig frischer Vorhang fällt.

Vögel plaudern leise übers Wetter,
Oben, in der Tanne, dicht an dicht.
Warmer Regen netzt die jungen Blätter,
Wäscht der Wiese duftendes Gesicht.

Noch im Gehen streut er auf die Erlen
ein paar Handvoll spiegelblanke Perlen.
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Mein Lied
Ursula Gressmann

Ich singe mein Lied
für dich allein
vom Wind
der über die Gräser streicht
und vom Duft
der am Morgen
voll erblühten Rose
vom Wasser des Sees
das sich an der Oberfläche
kräuselt
von den Vogelschwingen
die die Luft bewegen
und von den Steinen
die auf meiner Seele
liegen
 

Manchmal
© Mona Mulke

Manchmal fühle ich mich,
als würde ich
die Wüste durchqueren,
barfuß,
ohne Kompass,
spüre jeden Stein
der sich in meine Füße brennt.
Manchmal
suche ich einen Weg im Schnee,
eiskalt ist mir,
im unendlichen Weis.
Manchmal
tanze ich im Nebel meiner Gefühle,
renne ins Nichts.
Manchmal
tauche ich hinab,
in die Tiefe
meiner Seele
In der Hoffnung
ich finde mich ,
kann mich zärtlich
in den Arm nehmen
und
die Angst besiegen.


 


Selbsterkenntnis ist...
von Paul Rudolf Uhl

Ab heute lebe ich gesund:
Ein Fitnessrad fürs Schlafgemach!
Hab täglich vor zu strampeln und
die Pfunde schwinden, nach und nach!

Ich zieh Bilanz vier Wochen drauf:
Am Körper häuft sich Pfund um Pfund...
Ich reg darob mich gar nicht auf,
was mach´ ich falsch – was ist der Grund?

Fast täglich hindert mich was dran:
der inn´re  Schweinehund ist schuld,
der sagt, warum ich grad ´nicht kann,
entschuldigt alles, voller Huld:

Besuch bekommen – keine Zeit...
Ein schlimmes Kopfweh bremset mich...
Und heut´ ist Stammtisch, tut mir leid...
das Fernsehen ist hinderlich...

Zu guter Letzt hab ich erkannt:
Allein mit Kauf ist´s nicht getan...
Erkenntnis hilft – ich bin gespannt:
Was ist an diesem Sprichwort dran?...

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Promipärchen II
Stefan Pölt

"Die Schriftrollen warn in der Tiefe
der Archäologen-Archive.
Und wenn ich so schaue:
Die hatten 'ne Klaue!"
schimpft Hiero zur Ehefrau Glyphe.

* * *

"Ach wäre ich glücklich und froh
Du würdest im Warmen nicht so
verdammt an mir kleben
dann wäre mein Leben
viel leichter", sprach Hari zu Bo.

* * *

"Wenn ich bloß die Schulden nicht hätte
durch diese bescheuerte Wette!
Jetzt hängt unser Laden
am seidenen Faden."
Sprach Mario zu seiner Nette.

* * *

Die Expedition war ein Fehler.
der Pfad wurde schmäler und schmäler.
"Dein El Salvador
kommt Spanisch mir vor."
Sprach leise die Vene zu Ela.

* * *

"Du schielst mir zu oft nach Dolores.
Drum lehr ich dich erst einmal Mores."
"Das ist doch nur Tratsch
und völliger Quatsch!"
Beruhigt seine Koko der Lores.
 



Verwischter Horizont

@ Brian

Nichts nimmst du wahr,
von dem blühenden Morgen
der sich in lockenden
Tönen erhebt.
Verstummt ist der Laut
vergangner Zeiten.
Sandstürme verwehen
die Spuren,
doch es bleibt fern leuchtend
das nachhaltige Licht
der Hoffnung.
 

 

 
  
Winterspaziergang
 
Gedämpft sind meine Schritte,
sanft rieselnd fällt der Schnee.
Wie eine stumme Bitte
liegt eiserstarrt der See.
 
Durch einen Vorhang schreite
ich einsam in der Stille,
empfinde diese Weite
beglückt als Teil der Fülle
 
Des Lebens, das im Träumen
nun sammelt neue Kraft
und bald in Frühlings Räumen
erneuernd sich erschafft.
 
 


Herbstkanon
von Björn Lindt

Der Raureif perlt an welken Gräsern.
Myriaden Tropfen glitzern kalt.
Mit Fingern streicht der Morgen gläsern
die Töne aus der Endlichkeit.

Der Wind will dürres Herbstlaub erden.
Ein erstes Blatt verliert den Halt.
Ein Lied ist im Begriff zu werden,
erfindet sich zu Klängen hin.

Aus schweren Wolken fällt die Nässe.
Der Nebel weilt als Trauergast.
Es hallt ein Kanon dumpfer Bässe,
zu dem mein Herz die Takte leiht.

Es hat sich manches Blatt gewendet.
Das letzte pflückt der Sturm vom Ast.
Ich weiss, dass alles Liedsein endet,
selbst ich der Zeit geliehen bin.

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Die Paartherapie
Rudi Müller


Im Freundeskreis - so sagt’s ein jeder -
sind sie das ideale Paar.
Kein Streit, kein Krach und kein Gezeter,
sie harmonieren wunderbar.

Man teilt sich Rechte wie auch Pflichten,
vom Küchendienst bis hin ins Bett.
Doch ohne Planung gäb’s mitnichten
ein derart glänzendes Duett.

Trotzdem sind sie nicht ganz zufrieden:
Vielleicht könnt’s noch perfekter sein?
So haben sie sich jüngst entschieden:
Sie geh’n zum Therapeut zu zwei’n.

Es schadet ja nicht, vorzubeugen!
Wie oft hat man bereits gehört,
dass Nichtigkeiten Wirkung zeigen,
wenn man sie nicht beizeiten klärt.

Der Therapeut hieß sie willkommen
und quetschte gleich die beiden aus.
Sie haben’s dankbar angenommen
und öffneten sich freiheraus.

Der Doktor spitzte seine Ohren,
misstraute aber alledem.
Denn trotz beharrlich-sturem Bohren
fand er kein einziges Problem!

Ja, kann’s denn sein, dass die nie streiten?
Dies wär’ für ihn nicht förderlich.
Er forschte nach Befindlichkeiten,
und siehe da: Es lohnte sich!

So trübt Geschnarche beispielsweise
der Dame ihren Schönheitsschlaf.
Und sie? Schon seit der Hochzeitsreise
dünkt sie dem Herrn im Bett zu brav.

„Und Du“, fing sie gleich an zu fauchen,
„verkehrst meist nur als Missionar!
Die Frauen wünschen sich und brauchen
ein etwas breitres Repertoire.“

„Wie soll ich’s denn auch anders machen,
wenn Du mal wieder müde bist?“
Als Antwort schallte lautes Lachen:
„Dies zeigt, wie rücksichtslos er ist!

Vorm Frühstück halb im Schlaf genommen,
hab ich’s zwar meist noch akzeptiert.
Jedoch, zu spät zum Dienst gekommen,
war ich hernach zu Recht frustriert.“

„Da warst Du längst schon überfällig
nach unserem Drei-Monats-Plan!
Ich spürte ja schon unterschwellig,
Dich törnt so gut wie nichts mehr an.“

„Für etwas mehr Gefühlsanwandlung
gebricht’s an Deinem Pflichtumfang:
Kein Vorspiel! Keine Nachbehandlung!
So darbe ich schon jahrelang.“

~ ~ ~

Die Sitzung endet im Desaster.
Dem Seelenschmied ist dies egal,
er kriegt ja schließlich seinen Zaster!
Und was ist heute schon normal?
 
 

Ein neuer Tag

Wachgeküßt
durch die Sonne,
geweckt
vom Gesang der Vögel,
lache ich
dem neuen Tag
entgegen.

 

 


Ahnung
© Faro.V

 Eis
flüchtet schwitzend
auf quecksilberner Höhe
mit salzigen Spuren vor
IHM

ER
weckt Sonne
im Minutentakt früher,
ahnt das bleibende Licht
Frühling
 

 
 
Die alte Rose 
 
,Einmal noch in letzter Blüte’,
träumt die Rose, ‚will ich stehn.
 Sonne mich vor Frost behüte …
 klaglos später untergehn.
 
 Einmal noch der einen Biene
 Nektar, Lebensfreude sein.
 Noch ein letztes Mal ich diene
 ihrer Wollust ganz allein.
 
Wenn sie dann mit meinen Pollen
stäubt ein junges Pflänzchen zart,
ist erfüllt mein letztes Wollen:
hab erhalten meine Art.’
 
 



 


Freunde
© Maria Kindermann

Wahre Freunde sind ein Segen,
meinen kann ich blind vertraun.
Sie begleiten mich durchs Leben,
dürfen bis ins Herz mir schaun.
Freunde sind die besten Tröster,
hab' ich Sorgen oder Not.
Niemals lassen sie mich hängen,
Wahre Freundschaft – bis zum Tod.
Auch die Tränen darf ich zeigen,
noch nie lachten sie mich aus.
Freunde halfen mir so oft schon
aus manch tiefem Tal heraus.
Freunde haben offne Ohren,
mitten in der Nacht
und an allen Tagen.
Ohne sie wär ich verloren.
Danke will ich ihnen sagen.

 


Der alte Mensch
Christine Hammes

Wer (er)trägt ihn wenn er eimal schwach geworden
Und letzte Kraft sich in Erinnerung verzieht
Wer schützt ihn vor der lauten wilden Horde
Die ihn bloß als ein Stein im Wege sieht

Wer sieht zurück wenn er mit bangen Schritten
Dem Leben nochmal stolz entschlossen zugetan
Wer hört auf sein verschwindend leises Bitten
Und reicht bestärkend eine feste Hand

Bedeutungslos so fühlt sich heutzutage
Manch alter Mensch wie auf dem Abstellgleis
Ahnt nicht ein Jeder, stellt sich selbst die Frage
Wie es wohl ihm ergehen wird als Greis?

 

 
 
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 Hand voll Seele II
© V F, 2011
 
Wie kannst Du traurig sein? Ich puste Dir gelassen
den Lenz ins Herz hinein. Genießen wir die Zeit
der Nähe, Freund, bewußt! Der Herbst ist nicht mehr weit.
Versiegt Dir auch die Kraft, die Sorgen, sie verblassen
 
wie Laub im Morgentau. Ich will ins Heute fassen!
Noch tönt der Schwalben Lied. Der Birkenbaum gedeiht.
Drum laß uns fröhlich sein, zur Dankbarkeit bereit.
Wer wagt, der hofft zugleich. Du darfst Dich nicht verpassen!
 
Nimm meine Hand und schau: Ich mal Dir Heiterblau
ins zweifelnde Gemüt, ins triste Wolkengrau.
Denn Suerte finden wir in Blatt und Kieselstein.
 
Verweile nicht zu lang im Turm der Theorie.
Dort wohnt die Einsamkeit. Sie raubt Dir Energie.
Ich stupse Dich ins Jetzt. - Wie kannst Du traurig sein?
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Strahlen weben Phantasien
© Uschi Pohl
 
Licht und Schatten
 die Akzente
schenken Erde feinsten Glanz
zaubern Bilder in Gedanken
laden ein zu einem Tanz
Strahlen weben Phantasien
schlängeln sich
durch Wald und Flur
Wundersames wird entdecken
wer ihr folgt
der flimmernd´ Spur
 
Licht und Schatten
Zauberkünstler
Waldgesicht
lebend´ge Ruh´
laß die Bilder in mir wirken
schau´ dem stillen Schauspiel zu
sehe Elfen
wie sie gaukeln
in der bunten Laubespracht
wie sie wippen auf den Pilzen
Märchenwelt für mich erwacht
 

Warum ist die Zitrone sauer?
© Brigitte Haase
 
Vor langer Zeit im Paradies,
waren alle Früchte süß.
So sprach die Kirsche hoch am Baum,
" mein Aroma ist ein Traum."
 
Die Himbeere so klein und fein,
wollte noch viel süßer sein.
Da sprach die Mango " hör mir zu,
ich bin viel süßer noch als du."
 
Da mußte die Zitrone lachen,
" was sagt ihr nur für dumme Sachen?
Die süßeste im ganzen Land,
die bin ich, das ist bekannt."
 
Die Mango die war ganz empört,
sie sprach:"Ich hab mich wohl verhört?
Wer soll dich mögen, dummer Tropf,
mit deiner Beule auf dem Kopf.
 
Du trägst auch noch ein gelbes Kleid,
du weißt doch, gelb ist nur der Neid.
Betrachte dich doch mal genauer!"
Da wurde die Zitrone sauer.
 

 

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Wenn Schmetterlinge
lauschen
©Traudel Zölffel
 
es sitzt ein
 schöner
schmetterling
im rasen
so verzückt
die flügel zu
die fühler hoch
das ganze wirkt
entrückt
 
was er da hört
ich ahn es wohl
grasharfe wird
gespielt
von wem
das weiß
der sommer nur
ich hab den
wind gefühlt 


Am Meer
© Petra Friedel
 
Der Tag war schön. Von kleinen Booten,
die schwerelos ins Blaue glitten,
am Horizont mit Möwen stritten
um neue Ufer auszuloten,
 
dringt nicht ein Laut mehr. Ist das Werden
längst in der Dämmerung verklungen.
Was tags im Sonnenlicht gerungen,
will nun besänftigen, sich erden.
 
Und nichts was war, was ist, was wird,
was streitet, liebt, was kämpft, was irrt,
zieht wellenschlagend noch die Runde.
 
Im letzten Licht, dem samtenweichen,
lass nun auch uns die Segel streichen
und lauschen: jener blauen Stunde…
 
 

Meltemi IV
Rudi Müller

Die Sonne ist leider schon untergegangen,
doch schenkt sie uns noch einen Teil ihres Lichts.
Der Mond schickt sich an, uns dies Licht einzufangen,
als hauchdünne Sichel entwächst er dem Nichts.

So zart er auch wirkt, er beginnt bald zu gleißen
und spiegelt sich geisterhaft glitzernd im Meer.
Ein magischer Anblick. Er geht mit dem leisen
und mystischen Raunen des Meeres einher.

Wie sanft nun die Wellen am Ufer zerfließen,
mit Einbruch der Nacht war der Wind abgeflaut.
Der Meltemi schickt nur noch samtweiche Brisen,
sie streicheln die Wellen und streicheln die Haut.

Der Zauber der Nacht nimmt uns schleichend gefangen,
erregt alle Sinne und nährt Phantasien,
erweckt in uns irrationales Verlangen
und lässt uns ins Reich unsrer Träume entflieh’n.

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„Bodenhaftung“
von Ute Kirchhof 

Ich spür’ den Boden, rieche ihn,
er duftet herzhaft, fühlt sich weich,
über mir die Wolken ziehn’
und ich fühl mich reich.
 
Das sind Momente, die ich mag,
ganz verschmolzen mit der Erden,
so sitzen könnt’ ich jeden Tag,
innehalten, ruhiger werden.
 
Grashüpfer springt und schnarrt ganz laut,
voll Lebenslust und so lebendig!
Ich sitz’ im Gras – Was der sich traut!
Und freu mich überschwänglich.


Manch’ Käfer krabbelt auch vorbei,
versunken ganz in seiner Welt,
er sieht mich nicht, fühlt sich ganz frei,
unter dem weiten Himmelszelt.
 
Am Rasenende, dort beim Strauch,
da wimmelt’s eifrig hin und her.
Ameisen sind’s – Du kennst sie auch,
es werden stetig mehr!

Welch’ Gleichnis ist dies Schauspiel hier?
- Lebenslust, - mit sich ganz eins…
- und auch fleißig ist das Tier,
und freut sich seines Seins.
 
Hast Du’s probiert und möglichst oft,
ganz unten sitzen – fühlen, spüren?
Man merkt viel mehr, als man erhofft,
es kann zu Tränen rühren!


Denn von der Erde kommen wir,
und gehn’ zu ihr zurück,
denn Mutter ist sie Dir und mir,
und ich empfind’s als Glück.
 

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Mei Zeidmaschin
(aus de Häglwerther Säsoneddl)
von Serge D.


De Wäid werd se oiwei nomoi darenna:
"Du muaßt am Boi bleim! Schick di, sonst kimmst z'schbäd!
Wer ned des Neiste hod und woaß, is bläd!" -
Mei - soins mi hoid na oan vo gestern nenna;

i laß mi gern vom Boi und Neistn drenna.
I hob sogor sogwasi a Geräd,
a Zeidmaschin, daß d' Zeid fast ned vergähd!
Zeid lassen, sog i, muaß se oaner kenna!

Naa, de Maschin is ned der neiste Schrei -
de gibt’s scho lang und kost nix: Eindritt frei!
Weil - wennsd ders aa vialeicht ned vorschdäin konnst:

des is der Häglwerther Sä, wos sonst!?
Oa Hischaun glangd, oa Denga bloß, wia schee
und schdaad er vor dir liegd - und d' Zeid bleibd schdeh.

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Junges Leben
oder
Vater eines Sohnes
© Faro V.
 
Vor mir steht ein junger Mann.
Aus den Augen schaut das Kind,
fragt mich stumm:„ Wann endlich – wann
weiß ich wie die Dinge sind?“
 
 Vor ihm steht ein alter Mann.
Aus den Augen strahlt noch Kraft,
sagt ihm stumm:„Du merkst es dann –
irgendwann hast du ’s geschafft!“
 
Meine Zweifel zeig’ ich nicht,
nicht die Angst, die an mir nagt.
Optimismus – Wunsch als Pflicht –
hofft darauf, dass er ES wagt.
 
 
 
 
Sommerimpression
Christiane Mielck
 
Die Lerche
 über Ährenwogen
 trällert Jugendsommerträume
 in den warmen Duft
 der Erinnerung.
 
  Feldstaubiges Treten
 zwischen Kamille und Kraut
 begleitet
 ein Schmetterlingsschlag.
 
 Flimmernde Gestalten
 entsteigen dem Acker
in die schwüle Luft,
verschwimmen in einem
traumhaften Tanz.
 
 
 
 
 

Glück ist heute,
   hier und jetzt ...
 
Liebe Freunde, liebe Leute, -
GLÜCK ist so ein Tag wie heute!
GLÜCK ist, wenn die Sonne strahlt
und der Lenz mit Wärme prahlt.
GLÜCK ist an die zwanzig Grad
und kein Gegenwind am Rad,
wenn ich durch die Gegend sause,
mich in meinem Lachen brause.
GLÜCK ist auch, wird mir wie jetzt
etwas Süßes vorgesetzt
und dazu ein Gläschen Wein.
GAR nichts könnte schöner sein,
als zu denken "Mir geht's gut!",
da MEIN GLÜCK sein Bestes tut.
GLÜCK ist, spür' ich in der Luft
diesen so besond'ren Duft
nach dem Frühling wie grad' eben.
GLÜCK, das heißt: Ich lieb' das Leben!
 
GLÜCK ist HEUTE, JETZT und HIER.
"GLÜCK, ich bitt' Dich, - bleib' bei mir!"
 

Wo
die Mädchensommer
wohnen
 
Wer fing die meisten Wolken
 im Schaukeln
wenn die Haare flogen
aus dem Engelsozean
auf des Königs Wiesen
rauf und runter
immer höher
bis wir schrieen:
„Spring“!
 
 zwei Ranzen
wie verheiratet
in der Sandkiste
der Himmel blau
und blau
und blau
wie nass
aus dem Tuschkasten
gepinselt
 
 weiße Söckchen
in flinken
fliegenden
Sandalen
über und zwischen und unter
dem Gummitwist
wenn unsere Beine wirbelten
tanzten unsere Zöpfe
Cha Cha Cha
dann
wenn die lichtspuckende Sonne
funkelte
auf die Himbeerdrops
zwischen
unseren Wackelzähnen
und wir schwatzten
und schwatzten
und schwatzten
 
sommerendloses
Trödeln
auf dem Heimweg
und Schnecken sammeln
zwischen den Gräsern
wie wilde Beeren
den frechen Jungen
hinter dem Zaun
die Zunge ausgestreckt
 
mit niemandem konnte ich
so geheimnisvoll flüstern
wie mit dir
 
Sauerampfer
in klebrigen Händen
sahen wir
die dunklen Wolken nicht
die Blitze und Donner
wie Konfetti warfen?
unsere Antwort war Kreischen
und Rennen
und Lachen
Hand in Hand
segelten wir
über die Wiese
über die Straßen
zwischen die Blöcke hindurch
nach Hause
Sommerregen
steckte uns in schauertrinkende
Sandalen
am Ende von storchdünnen
Mädchenbeinen
schnatternde Himbeermünder
und Blumenkränze
im Haar.
aus rotem Klee.
 
Mädchensommer
Kribbeln in meinen Füßen
denn da spüre ich sie immer noch
direkt unter der Fußsohle
das weiche Gras
voller Sonne
und das Hüpfen
in den Sandalen
hinein
Beine gegrätscht
und zurück
nach außen gesprungen
das Gummi drehend umschlungen
und raus.
 
 
Das Bild der Jahreszeiten
© Helga Kurowski
 
Ein leeres Blatt, vom Winter weiß,
bemalt Herr Frühling warm, voll Fleiß,
mit Farben aus dem Stift - Etui
und meint: „So hübsch war's Bild noch nie.
Sehr schön ist es und es gefällt
bestimmt der ganzen weiten Welt!“
 
Drauf kommt Herr Sommer und er denkt:
Jetzt wird von mir der Stift gelenkt!
Das Ding reißt keinen heiß vom Hocker,
hier fehlt noch Farbe und zwar Ocker!
Quatsch wars, was Frühling da erzählte,
durch mich allein wird’s ein Gemälde!
 
Schon pfeift Herr Herbst sehr kühl herbei,
und spitzt dabei für's Grau den Blei,
kreist vorher drauf noch bunte Tupfen,
sonst wär das Bild zum Haare rupfen,
lobt sich als Künstler hoch in Höhen
und brüstet sich mit starken Böen!
 
Für gräulich Buntes nie bereit,
kommt rasch Herr Winter angeschneit
und ruft entsetzt: Ach, welch ein Übel,
mein Blatt fiel in den Farben - Kübel!"
Er schimpft die Drei laut wilde Schmierer
und nutzt mit Kälte den Radierer!
 
***
Ein leeres Blatt, vom Winter weiß,
bemalt Herr Frühling warm, voll Fleiß,
mit Farben aus dem Stift - Etui........
 
 
 
 
 
Die Möwe
 
Aufgewühlt
 gepeitscht im Sturm
berührt das Meer
mein Gesicht.
 
Zitternd
stehe ich am Ufer.
Atme ich frierend
den Tau der See.
 
Am Ende
des endlosen Horizontes
schwebt hoffnungsvoll
eine einzelne Möwe.
 
 

 

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Wenn Reiher
fliegen lernen
Jürgen Feger
 
Die Reihermama sprach: „Mein Kind!
Es wird nun Zeit, dass du geschwind
das Fliegen lernst, denn alt genug
bist du für deinen ersten Flug!“
Schon brachte sie es auf den Baum
und warf das Kind hinab, doch kaum
war’s in der Luft, flog’s hin und her,
flog’s auf und ab und kreuz und quer,
flog’s wirbelnd, zwirbelnd und wie dumm
ein Dutzend Mal im Kreis herum.
Zum Glück es gingen im Verlauf
des Fluges beide Flügel auf,
sodass, zwar etwas kreidebleich,
es landen konnte, zart und weich,
direkt ins Mamas sichren Schoß...,
...dann reiherte der Kleine los.
 
 

 
 
 

Tagewerk
Andrea Frühauf

Morgens kommt die Katze heim,
sitzt vorm Fenster so allein.
Komm doch rein!

Dabei ist sie rau und nass,
hat im Mäulchen irgendwas!
Was ist das?

Und schon springt sie in das Haus,
lässt die Beute drinnen aus!
Eine Maus!

Diese, weil sie clever ist,
rennt um meine Kohlenkist‘.
So ein Mist!

Wie ein Derwisch springe ich
auf den neuen Küchentisch!
Malerisch!

Händeringend sitz ich hier:
Fang sie doch, du Katzentier!
Rette mir!

Zeige dich, du Mäusezwerg,
störst mein ganzes Tagewerk!
Blöder Zwerg!

Katze greint und tatzt verroht
nach der Maus. Die stellt sich tot.
Welche Not!

Stunden später, gleicher Ort,
gähnt die Katze und geht fort.
Ehrenwort!

Kurtchen kommt dann irgendwann,
nimmt sich der Misere an.
Wie ein Mann!

Bald ist jede Ecke frei;
doch die Maus ist nicht dabei!
Schweinerei!!

Ich bin steif vom Lotussitz,
Kurti stellt die Falle itzt.
Sehr verschmitzt!



Ewig lang währt dann die Nacht;
hab sie wachend zugebracht.
Und mein Kurti?
Lacht!
 
 
Blütezeit
 
Der Sommer sitzt auf grünem Strauch
der roten Heckenrosen,
die sich im lauen Abendwind,
so zärtlich noch liebkosen.
 
Aus Blüten dringt ihr herrlich´ Duft,
verzaubert selbst die Bienen,
die gestern noch am Himbeerbusch
ganz glücklich uns erschienen.
 
So birgt der Juli wie ein Traum,
gar wunderbare Lüste.
Ein Freudenquell, gar immerfort.
Er, der die Rosen küsste.
 
 

 
Verfolgungsjagd
Stefan Pölt

Sitze wie auf heißen Kohlen
bei einer Verfolgungsjagd.
Kann hier nirgends überholen -
in der Kurve zu gewagt!

Hupe, brülle, zeig den Stinke-
finger Richtung Vordermann,
doch so heftig ich auch blinke,
er bewegt sich nicht rechts ran.

Linkerhand ein steiler Abhang,
rechterhand die Feuerwehr.
Jetzt nur keinen schnellen Abgang,
das wird ungeheuer schwer!

Hintendran ein Helikopter,
wäre der doch endlich weg,
klebt an mir wie ein Bekloppter
bodennah ganz dicht am Heck.

Endlich sind wir angekommen.
Alles steht, ich steige schnell,
noch ganz schwindlig und benommen,
aus dem Kinderkarussell.

 


Zeit für mich

© Mona Mulke

Manchmal
denke ich
über mich nach…
Sehe mir zu,
höre mir zu.
Stehe staunend neben mir,
spiele mit meiner geschenkten Zeit,
in einem verwunschenen Garten.
Laufe staunend durch die Beete,
sehe den Rosen beim Aufblühen zu.
In Zeitlupe dreht sich meine Welt weiter,
jeder Atemzug bringt Ruhe.
Ich liege im Gras,
sehe die Tautropfen fallen.
Das Sonnenlicht bricht sich in ihnen
und
schenkt mir einen Regenbogen….

 


Strandspaziergang
Ursula Gressmann

Tiefschwarz ist die Nacht,
Sterne verblassen wie
erlöschende Kerzen.
Der Schrei einer verirrten
Möwe verweht,
irgendwohin,
nirgendwohin.
Ich wandere einsam
dem Wind entgegen, bis
weiß die Schaumkronen
der Wellen in der
Dämmerung leuchten,
und ich lausche
den Geschichten, die
der Wind aus weiter Ferne
mit sich trägt.
 

Bild © Manuela Ina Kirchberger
 

Evolution
 
Stete Verwandlung ist das Leben.
Der junge Mensch wird alt
und geht dahin.
Was wir als tot bezeichnen,
hat sich nur gewandelt
und wenn wir trauern,
tun wir es um uns,
weil Liebgewordenes
nicht mehr gegenwärtig.
 
Lebt der gefällte Baum
nicht weiter in dem Stuhl,
der - lauschst Du ihm -
Dir Waldgesänge raunt?
Lebt das, was der Mensch tat,
nicht weiter in dem Andern?
Und wächst aus seinem Staub
nicht eine neue Blume?
 
Solang ein Jahr sich neigt
und ruht, um dann erneut
in voller Blüte wieder aufzustehn,
wird nichts von dem, was lebt,
auf Ewigkeit vergehn.
 

Von Zeiten
zwischen den Zeiten
© Manuela Ina Kirchberger

Manchmal ist
dieses leise Gefühl,
das erzählt
von Zeiten zwischen
den Zeiten.

Uhren halten ihre Zeiger fest
oder verlaufen sich
im Augenblick.

Ein Meer von
Ahnung und
Ahnungslosigkeit.
...
Und auf goldenen Wiesen
perlen einfach
Träume
aus sich heraus,

um das andere Gesicht
der Sonne zu zeigen.

Weiße
Blütenblätter
fallen
wie
Regenbogentropfen,

benetzen
diesen einen
köstlichen
Moment
mit der Tiefe
ihrer Tränen,

um den perlenleisen Pfaden
in die Unendlichkeit
des Fühlens
zu folgen.
 

Eine Liebesgeschichte
Christine Hammes

Der Fluss
An dem wir uns immer trafen
Er erkannte unsere Liebe
Und erzählte davon
Den Fischen
Den Steinen
Den Gräsern
Und den Bäumen
Die es den Wolken zuriefen
Wo die Vögel
Ein Lied für uns sangen
Nur wir -
Wir wussten es nicht

Heute erinnere ich mich
 



Flocken
@ Brian

Sanft und weich fallen Flocken,
berühren mein Gesicht,
wie verzaubert
schaue ich empor.
Leise, mit den glitzernden
Sternen,
fliegt meine Sehnsucht
zu dir.
 


Ein Kuss
Silke Kuba

Lerchen streifen Wolkenherden,
eine Krähe pickt im Feld
und der Ruf des Kuckucks gellt,
bei den Schafen, bei den Pferden.

Siehst du uns im Grase liegen?
Leise plätschert unser Bach.
Hörst du auch mein leises “Ach,
sieh nur, wie die Schwalben fliegen”?

Oder bist du eingeschlafen?
Ich schau auf und weil ich muss,
gebe ich dir einen Kuss,
auf der Wiese, bei den Schafen.

Als wir wieder gehn, uns trollen,
kichern wir im Sonnenschein.
Und ins Lachen mischt sich ein
*hatschi*, ein verirrter Pollen.
 



Ich habe einen Traum
von Heinz Gropp

Ich habe einen Traum

dass in unserem Land
Tiere wieder artgerecht gehalten werden
und sie niemand um des Profits willen
in enge Käfige sperrt und quält

dass wir Tiere juristisch als „Lebewesen“ anerkennen
und sie nicht mehr als „Sache“ behandeln
dass Tierquälerei nicht mehr als Sachbeschädigung
sondern als Körperverletzung bestraft wird

dass die Schmerzen dieser Tiere
unser Herz erweichen
und wir behutsam und fürsorglich
mit ihnen umgehen
und sie nicht mehr unnötig quälen

Menschenwürde ist im Grundgesetz festgeschrieben
aber auch unsere Tiere haben eine Würde

ich habe einen Traum
dass wir unseren Tieren
die Würde
die wir ihnen geraubt haben
wieder zurückgeben

dass wir Menschen eines Tages
wieder ehrfurchtsvoll mit der Schöpfung umgehen
und so ein Leben wie im Paradies wieder möglich sein wird

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Unsere Schritte
haben Zeit

von Helga Bauer

Friedvoll ruht der kleine See.

Leise streift der Wind
das Blau des Spiegels
den der Himmel färbt

Margeritenweiß wehen die Wiesen

Und unsere Schritte haben Zeit ...
 


Florale Hypochondrie
von Björn Lindt

Schmerzt sie noch ihr Löwenzahn,
der schon seit der Herbstzeit lose?
Sprießt auf ihrem Fuß der Hahn?
Leiden sie an Gürtelrose?

Ist ihr Daumen immer grün?
Blähn sie wie ein Buschwind, Röschen?
Ihnen will oft Unheil blühn?
Sind sie schüchtern wie'n Mimöschen?

Wächst in ihren Lungen Kraut?
Reifen schon die Fingerbeeren?
Ist's ein Veilchen, das da blaut?
Will sich Schuppenflechte mehren?

Finden ihre Augen Trost,
wenn sie lang ins Wasser linsen?
Ist die Leber gar vermoost?
Sprechen sie gern Wahrheitsbinsen?

Haben sie oft Fieberklee,
oder etwa Nesselfieber?
Tun die Frauenschuhe weh?
Treu sind Männer ihnen lieber?

Neigen sie zu Bärenklau?
Sind sie gar ein Lippenblütler?
Schwitzen sie denn Sonnentau,
oder sind sie Sonnenhütler?

Wächst bei ihnen Frauenhaar?
Wolfsmilch strömt aus ihren Zitzen?
Röschen, sie sind höchst agrar,
selbst noch in den Berberitzen!

Hier mein Rat als Spezialist:
Gönnen sie sich mal ein Päuschen!
Helfen kann ein Deflorist.
Klarer Fall von: "Was am Sträußchen"!

 


Natur-Religion?
von Paul Rudolf Uhl


So mancha Felsn hat a Gsicht –
des mechst ned glaam – a Baam oft aa…
Vielleicht gibt´s  wirkli Trolle und
aa Elfen – Mensch, des kunnt doch sa?

Naturgeista – warum denn ned?
Mia Menschn san doch gschaffn worn
vo da Natur und ghearn dazua…?
Red ned dagegn, sonst kriagst mein Zorn!

Weil: I find´s logisch – woaßt, warum?
Da Herrgott is vielleicht d Natur –
allmächtig – und mia sündign
dagegn – des is doch Wahnsinn pur!

Zwar is de Wejt koa Paradies –
des is valorn, de oide Gschicht…
Wann mia aa no de Wejt valiern
– des waar dann unsa letztes Gricht!

Obwohj: da Wejt gang`s ohne uns
vej bessa – des is amoi gwieß...
Und, dass – d Natur – wia ma´s aa nennt -
auf uns gor ned ogwiesn is…

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Zufall oder Schicksal?
© Maria Kindermann

Was ist Zufall, was ist Schicksal,
hast du dich schon oft gefragt
und wo endet unser Leben?
Keiner dir die Antwort sagt.

Gibt es irgendwo ein Jenseits,
wo wir uns einst wieder sehn?
Lohnt es sich an Gott zu glauben 
wer lässt so viel Leid geschehn?

Garten Eden ist verschlossen –
ist unendlich weit von hier,
wir sind auf den falschen Wegen,
finden nicht die Eingangstür.

Doch die Antwort auf die Fragen,
die weiss einer ganz allein
und solang wir an ihm zweifeln,
wird es sein Geheimnis sein.

Erst wenn wir ihm blind vertrauen,
an ihn glauben und verstehn –
wird er uns die Türen öffnen,
lässt uns in den Himmel sehn!

 


 

 

 

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